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Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

Erste Trägerkonferenz im Bundesprogramm „KitaPlus“

Am 27.09.2016 fand die erste Trägerkonferenz zum Bundesprogramm „KitaPlus“ in Berlin statt.

Ziel der Veranstaltung war es, den beteiligten Akteuren eine Plattform zur Vernetzung sowie Raum für einen vielseitigen Austausch über Chancen und Herausforderungen in der Programmumsetzung zu bieten.

249 Fach- und Leitungskräfte aus Kitas, Ländervertretungen und Jugendämtern nutzten die Gelegenheit zu einem fachlichen Dialog, der das gemeinsame Verständnis im Hinblick auf die Erweiterung(en) von Öffnungszeiten festigte. Informationsstände der Kooperationspartner, der Projektberatung und der Evaluation des Bundesprogramms „KitaPlus“ stellten ihr Angebot und ihre Aufgaben zur Unterstützung der Projektumsetzung vor. 

Vor dem Hintergrund, dass Kinderbetreuungsangebote komplex sind, sollten auf der Trägerkonferenz die Besonderheiten, aber auch die Potentiale einer Flexibilisierung der Kinderbetreuungsangebote erarbeitet werden.

Begrüßung

In der Begrüßung hob Marion Binder, Leiterin des Referats Ausbau und Qualität der Kindertagesbetreuung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die bisherigen Erfolge des Bundesprogramms „KitaPlus“ hervor, das bis zum Jahresende insgesamt 300 Modellstandorte fördern wird.

Von den bereits geförderten 150 Projekten werden 108 in Kindertageseinrichtungen und 42 von Kindertagespflegepersonen umgesetzt. Es gibt ein Potpourri von verschiedenen Modellen zur Erweiterung der Öffnungszeiten. Für Familien stellen sie eine erhebliche Entlastung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dar. Ebenso profitieren aber auch die Einrichtungen und Kindertagespflegepersonen, weil sie die Vielfalt ihres Konzepts nicht nur im Hinblick auf die Betreuungszeiten qualitativ gut gestalten. Kommunen, Unternehmen und Arbeitsagenturen sind verlässliche Partner zur Sicherstellung der erweiterten Öffnungszeiten.

Grußworte der Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig lobte das Engagement der Modellstandorte und betonte, dass die Kinder im Mittelpunkt des Bundesprogramms „KitaPlus“ stehen: Sie sollen Chancengleichheit erfahren und frühen Zugang zu Bildung erhalten. Sie hob die Ziele und Vorteile der längeren und flexibleren Öffnungszeiten hervor und betonte, dass sich die Betreuung zur besonderen Zeit im Laufe des Bundesprogramms „KitaPlus“ zur Normalität entwickeln wird.

Feierlich überreichte Bundesfamilienministerin Schwesig folgenden fünf neu teilnehmenden Einrichtungen den Bewilligungsbescheid sowie die Plakette zur Förderung im Bundesprogramm „KitaPlus“:

Podiumsdiskussion und Impulsreferat

Unter der Überschrift „Wertung – Wirkung – Wandel“ diskutierten fünf Expertinnen aus  Forschung und Praxis über Chancen und etwaige Hürden bei der Umsetzung der Projekte. Aus den Blickwinkeln der Eltern, Kinder, Träger, Kommunen sowie der Arbeitsagenturen und Jobcenter  wurden die Faktoren erörtert, die maßgeblich die Praktikabilität einer Erweiterung beeinflussen, ohne die Qualität der Angebote zu beeinträchtigten.  

Jede Expertin im Podium stellte ein Modellvorhaben vor, das eines der diskutierten Perspektiven als Beispiel aus der Praxis beleuchtete.

Die in der Podiumsdiskussion angerissenen Themen wurden in den nachfolgenden Workshops intensiver aufgegriffen und bearbeitet.

Folgende Expertinnen brachten sich in die Diskussion ein:

  • Frau Prof. Dr. Marion Musiol von der Hochschule Neubrandenburg ging auf die Fragen ein, inwiefern Eltern und Kinder tatsächlich vom Bundesprogramm „KitaPlus“ profitierten. Frau Prof. Dr. Musiol sprach einerseits über die Gestaltung einer guten Elternarbeit bei flexiblen Betreuungszeiten. Andererseits beleuchtete sie die Belastung der Eltern, die ihre Kinder außerhalb der Kernzeiten in die Kita bringen (früh morgens, spät abends, über Nacht).
  • Die Geschäftsführerin eines Kita-Trägers in Mecklenburg-Vorpommern, Frau Anke Preuß, beschäftigte sich mit Fragen zu Kita-Konzepten mit flexiblen Öffnungszeiten (bis zu 24 Stunden an sieben Tagen, ohne Schließtage im Jahr). Sie sprach von einem allmählichen Paradigmenwechsel in den letzten zehn Jahren hinsichtlich der flexiblen Betreuungsangebote.
  • Frau Dr. Eveline Gerszonowicz vom Bundesverband für Kindertagespflege zeigte die Potentiale der Kindertagespflege zur Erweiterung der Öffnungszeiten sowie die Möglichkeiten einer engen Kooperation zwischen Kindertagespflege und Kinderbetreuungseinrichtungen auf. Kindertagespflege, als ein flexibles, familiennahes Setting, deckt seit 40 Jahren besondere Betreuungsbedarfe ab und bietet eine Vielfalt an Modellen, die idealtypisch die Beziehungsqualität und –kontinuität gewährleisten.
  • Als Vertreterin einer Kommune setzte sich Frau Kathrin Blumenhagen aus Krefeld mit dem Verhältnis von Aufwand und Qualität der Betreuung während der erweiterten Öffnungszeiten unter Einbindung bestimmter Partner auseinander. Sie hob den besonderen Stellenwert einer guten Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Träger hervor. Bei der Umsetzung guter und flexibler Kindertagesbetreuung kann das Jugendamt unterstützen, indem es wichtige Impulse gibt und den Rahmen der Kindertagesbetreuung in erweiterten Öffnungszeiten (mit)gestaltet.
  • Als Vertreterin der Bundesagentur für Arbeit betonte Frau Heidi Holzhauser, dass die Netzwerkarbeit zur Optimierung der Ziele im Bundesprogramm „KitaPlus“ eine hohe Bedeutung habe. Sie hob hervor, dass die Erwerbstätigkeit von Eltern sich auch auf die Entwicklung des Kindes auswirke. Dies beinhaltet auch, den Eltern durch flexible, an ihren Bedarfen ausgerichtete Betreuungszeiten, eine Teilhabe am Erwerbsleben zu ermöglichen. Die daraus resultierende Minderung des Leistungsbezugs nach dem Sozialgesetzbuch zweites Buch (SGB II) benannte Frau Holzhauser als positiven Effekt für Kommunen. Auch für Unternehmen ist der Aspekt bedarfsgerechter Öffnungszeiten bei der Kinderbetreuung angesichts des vorherrschenden Fachkräftebedarfs von Bedeutung.

Zusammenfassung der Podiumsdiskussion

Im Ergebnis der Trägerkonferenz zeigt sich, dass flexible Betreuungszeiten eine wesentliche Unterstützung für erwerbstätige Eltern darstellen. Eltern schätzen eine gute Qualität der Betreuungsangebote, auch in den erweiterten Öffnungszeiten. Mit einer guten Fachkraft-Kind-Relation, die insbesondere in den erweiterten Öffnungszeiten vorherrscht, können die Bedürfnisse jener Kinder optimal berücksichtigt werden, die diese Zeiten in Anspruch nehmen.

Im Zentrum der Gestaltung von flexiblen Kinderbetreuungsangeboten stehen ebenso die Bedarfe der Familien zur Gestaltung einer guten Family-Life-Balance, die nicht zuletzt in einer Intensivierung von Familienzeiten mündet. Eine von gegenseitiger Wertschätzung getragene Erziehungspartnerschaft mit Eltern, die den Besonderheiten aller Familien gerecht wird, trägt wesentlich zum Gelingen der Vorhaben bei. Daher unterstützt das Bundesprogramm „KitaPlus“ über die Betreuungsangebote hinaus eine Beratung, Begleitung und Vernetzung der Eltern, um sie in den stressbeladenen Situationen angemessen zu entlasten. Zur Wahrung der pädagogischen Qualität bedarf es professioneller Beratung und Schulungen, welche die verschiedenen Aspekte einzelner Akteure beleuchten, z.B. die Organisation des Dienstplanes der pädagogischen Fachkräfte.

Im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft sollten sowohl Politik, Träger als auch die Vertreter der Arbeitswelt,  nach passgenauen Lösungen suchen, um die  Erweiterung der Öffnungszeiten, die durch  das Bundesprogramm „KitaPlus“ angeregt wurde, nachhaltig zu gestalten.

Es gibt kein Rezept für die Umsetzung flexibler Betreuungsangebote, sondern unterschiedlichste Modelle von der Konzeptionierung bis hin zur Finanzierung. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Betreuung umso besser umgesetzt wird, je intensiver die Kooperation zwischen den unterschiedlichen Akteuren ist (u. a. bei Unterstützung der Kooperationspartner des Bundesprogramms „KitaPlus“).

Die Betreuung zu „ungewöhnlichen“ Zeiten, die derzeit als etwas Besonderes hervorgehoben wird, wird so allmählich als etwas Selbstverständliches wahrgenommen. Die Flexibilisierung erfährt einen Wertewandel, der mit dem Bundesprogramm „KitaPlus“ unterstützt wird.

Impulsreferat

Mit einem kurzen Vortrag zum Thema „Bedarfsgerechte Förderung von allen Kindern zu anderen Zeiten“ eröffnete Frau Prof. Dr. Marion Musiol, Hochschule Neubrandenburg, den Veranstaltungsnachmittag. Mit einem interdisziplinären Blick stellte sie die Ausgangslage des Bundesprogramms „KitaPlus“ dar und zeigte wichtige Aspekte aus der Perspektive des Kindes, der Eltern sowie der Fachkräfte auf, die insbesondere in erweiterten Öffnungszeiten das Wohle der Kinder zu fokussieren.

Workshops

In fünf Workshops wurden die Besonderheiten und spezifischen Herausforderungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dargestellt und gemeinsam die nächsten Schritte und Ziele des Bundesprogrammes „KitaPlus“ abgestimmt.

Die Workshopleitenden hielten die Diskussionsergebnisse in einer Matrix mit thematischen Oberbegriffen fest. So konnten die einzelnen Felder zu Schnittstellen, mit von den Teilnehmenden rückgemeldeten, bzw. erarbeiteten Inhalten, Herausforderungen, Forderungen und kritischen Punkten, befüllt werden. 

Referentinnen: Katrin Macha, Ulrike Foelsch (ISTA Institut für den Situationsansatz)

Die Teilnehmenden berichteten davon, wie die Betreuung zu „anderen“ Zeiten für Kinder eine „Normalität“ darstellt und sie diese nicht als besonders erleben. Es wurde die Frage aufgeworfen, wieviel Familienzeit noch bleibt, wenn Kinder bspw. zwischen der Schule oder dem Hort und einer ergänzenden Betreuung pendeln müssen. Als positive Auswirkung flexibler Betreuung nannten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die besondere (exklusive) 1:1 Betreuungssituation zwischen Kind und Erzieher bzw. Erzieherin. Aus den Erfahrungen der Teilnehmenden wurde auch eine intensiver genutzte Familienzeit rückgespiegelt. Das Wohl des Kindes stand in der Diskussion an oberster Stelle. Die Gewährleistung und Beachtung von stabilen Beziehungen (Fachkraft-Kind; Peergroup) spielten hierfür eine entscheidende Rolle.

Im zweiten Teil diskutierten die Teilnehmenden mittels eines „Gallerywalks“ an Stellwänden insgesamt folgende fünf Thesen:

1.       Wir berücksichtigen die Lebenswelten der Kinder und Familien.

2.       Wir gestalten anregendes Leben zu allen Zeiten in der Kita oder Kindertagespflege.

3.       Wir schaffen flexible Strukturen, die den Kindern Orientierung und Kontinuitäten sichern.

4.       Wir erkennen die Ressourcen der Kinder für das Leben in flexiblen Betreuungszeiten an.

5.       Wir entwickeln Partizipationsmöglichkeiten für alle.

Es ergab sich eine Vielzahl an Diskussionsergebnissen. Dabei war der Blick vor allem auf das Kind und seine Ressourcen gerichtet. Beispielsweise wurde aufgeführt, dass Kinder aktiv am Flexibilisierungsprozess zu beteiligen sind. Eltern soll, durch die Flexibilisierung der Betreuungszeiten, mehr Partizipationsmöglichkeiten hinsichtlich einer gesellschaftlichen Teilhabe ermöglicht werden. Verlässliche Angebote sind stets unter Berücksichtigung jeweiliger Lebenswirklichkeiten zu gestalten. Die Teilnehmenden nahmen auch das pädagogische Personal in den Fokus und plädierten für eine, den Umständen der Flexibilisierung, angemessene Unterstützung während der Wandlungsprozesse.

Deutlich wurde im Laufe der Diskussion und durch die Arbeitsergebnisse der Kleingruppen, dass es kein allgemeingültiges Rezept für flexible Kindertagesbetreuung geben kann, sondern dass vor Ort sehr individuell Lösungen für ganz individuelle Familiensituationen und Kitas bzw. Tagespflege-personen von allen relevanten Akteuren gefunden werden müssen. 

Übersicht der Ergebnisse im Workshop 1

Referentinnen: Anke Preuß (Geschäftsführerin Kita gGmbH, Grit Brinkmann (Leiterin Kita Nidulus)

Die Teilnehmenden im Workshop beleuchteten die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Betriebsabläufe sowie Aspekte zur Entwicklung eines nachhaltigen Finanzkonzepts im Kontext erweiterter Öffnungszeiten. Die Referentinnen erörterten verstärkt die Herausforderungen und Notwendigkeiten, die sich bei der Einrichtung einer 24-Stunden-Kita ergeben. Die finanzielle Planung für ein nachhaltiges und verlässliches 24-Stunden-Betreuungsangebot setzt neben der Bedarfsplanung eine umfassende Sozialraum- und Marktanalyse voraus. Bereits in dieser Phase ist die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern (bspw. Unternehmen, Fachgremien, Ausschüsse, politische Gremien) mit dem Ziel passgenauer Betreuung von großem Vorteil.

Die wesentlichen betriebswirtschaftliche Faktoren zum Aufbau und zur Umsetzung eines flexiblen Betreuungsangebots sind die Kalkulation der Platzkosten, die Gestaltung der Verträge, die Gewinnung und der Einsatz des Fachpersonals sowie die Organisation diverser Abläufe. Je besser die Ressourcen zur Umsetzung des pädagogischen Konzepts zur Betreuung der Kinder in den erweiterten Zeiten sowie für eine gelingende Elternpartnerschaft ausgestattet sind, desto zuverlässiger kann das Angebot greifen und desto nachhaltiger eine stabile Nachfrage generieren. Dabei sind alle Partner und Fachkräfte einzubinden, die maßgeblich die Akzeptanz besonderer Betreuungsbedarfe mittragen und als Multiplikator wirken können.

Übersicht der Ergebnisse im Workshop 2

Referentinnen: Prof. Marion Musiol und Nadine Simonn (Hochschule Neubrandenburg)

Die Teilnehmenden im Workshop beleuchteten die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Betriebsabläufe sowie Aspekte zur Entwicklung eines nachhaltigen Finanzkonzepts im Kontext erweiterter Öffnungszeiten

Zunächst wurde im Workshop die „neue“ bzw. „andere“ Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit in flexiblen Betreuungszeiten anhand von drei Thesen beleuchtet: die Aspekte der Individualität der Familien im Umfang miteinander und in der Art des Informationsaustausches, die Haltung der Fachkräfte gegenüber den Eltern als Experten ihrer Kinder und die Gestaltung einer guten Beziehung zwischen Eltern und Fachkräften. Entlang dieser Thesen diskutierten Kleingruppen die praktischen Erfahrungen der Teilnehmenden.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kindertageseinrichtungen die Qualität der pädagogischen Arbeit im Zuge einer Erweiterung der Öffnungszeiten bei den erforderlichen Anpassungen der Arbeitszeiten, spezifischen Aufgaben(teilungen) und kontinuierlichen Absprachen im Team gewährleisten oder sogar steigern können. Dabei ergab sich die Frage, inwiefern eine Emanzipation der eigenen Professionalität von pädagogischen Fachkräften beobachtet werden kann und forciert werden soll.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Zusammenarbeit mit Eltern. Diese ist in flexiblen Betreuungszeiten „anders“ zu gestalten, da sie sich stärker an den Bedarfen der Familien orientieren muss. Die Grundhaltung des pädagogischen Personals gegenüber den Eltern spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das beiderseitige Entgegenbringen von Wertschätzung nannten die Teilnehmenden als Garant für eine gelingende Elternpartizipation. Zwischen den Parteien (Fachkräfte-Eltern) solle eine „empathische Kommunikationstransparenz“ bestehen. Dies sollte auch beim Wechsel des Personals im Laufe eines Tages Berücksichtigung finden. Hierzu bedarf es methodischer Ergänzungen und Aufarbeitungen (bspw. in Form eines Übergabebuches oder einer Kommunikationswand).

Neben der Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern wurde auch die Vernetzung von Eltern als Partizipationsmittel diskutiert. Die Vernetzung und Stärkung von (Eltern-) Kontakten untereinander wirkt einer Stigmatisierung von Eltern, die flexible Betreuungszeiten in Anspruch nehmen, entgegen. Es bestand Konsens darüber, dass für eine gelingende Elternpartizipation und die Etablierung und Akzeptanz der erweiterten Öffnungszeiten ein kontinuierliches Engagement der Fachkräfte nötig ist.

Übersicht der Ergebnisse im Workshop 3

Referentinnen: Dr. Eveline Gerszonowicz (Bundesverband für Kindertagespflege), Anne Schumacher (Stiftung SPI)

Zu Beginn des Workshops begaben sich die Teilnehmenden auf eine Zeitreise, wie die Kindertagespflege mit ihren vielfältigen Modellen seit mehr als 40 Jahren besondere Betreuungsbedarfe abdeckt. Dabei wurden einige typische Merkmale deutlich. Kindertagespflege stellt alternativ zu einer Einrichtung einen wichtigen Baustein im System der Kindertagesbetreuung dar, da sie sowohl ganztägig als auch ergänzend Betreuungszeiten rund um die Uhr vorhalten kann. Kindertagespflege ist flexibel, weil sie kurzfristig auf die Bedarfe der Familien eingeht und dabei die besondere Situation des Kindes fokussiert. Das familienähnliche Setting mindert die Belastung für das Kind und entlastet damit die Eltern bei der Ausübung ihrer Tätigkeit bzw. ihres Berufes. Kindertagespflege integriert den Auftrag zur Bildung- und Erziehung individuell und ganztägig in den Betreuungsalltag des jeweiligen Kindes. Durch die Standards zur Qualifizierung der Kindertagespflegepersonen und die fortwährenden Verbesserungen der Rahmenbedingungen weist die Kindertagespflege gute Ergebnisse in der Qualität der Betreuung aus.

Im Anschluss konkretisierten die Teilnehmenden die Frage nach der Qualität der Kindertagespflege in besonderen Betreuungszeiten. Aus dem Blickwinkel der Kindertagespflegeperson, den Eltern und der Kommunen sind jeweils verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, die auf der einen Seite den Bedarfen der Beteiligten gerecht werden und ihnen auf der anderen Seite keine unverhältnismäßigen (Mehr-)Belastungen abverlangen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass unterschiedliche, sich teilweise widersprechende, Erwartungen an die Kindertagespflege gerichtet werden. Beispiele sind:

  • feste Bezugspersonen für das Kind vs. zeitliche Flexibilität, gefordert durch Arbeitswelt und Eltern
  • altersmäßige Homogenität vs. altersmäßige Heterogenität beim Alter der betreuten Kinder
  • Leistbarkeit der Umsetzung flexibler Betreuung mit hohem Standard vs. Wirtschaftlichkeit

Die Teilnehmenden stellten abschließend fest, dass die Heterogenität der Kindertagespflege eine Vielfalt hervorbringt, die aktueller denn je den Bedarfen der heutigen Zeit standhält.

Übersicht der Ergebnisse im Workshop 4

Referentinnen: Heidi  Holzhauser (Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg) und Kathrin Blumenhagen (Stadt Krefeld)

Dieser Workshop thematisierte die Perspektive der Partner, die das Bundesprogramm „KitaPlus“ seit Anbeginn unterstützen. Aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Deutschen Städtetags und Deutschen Städte- und Gemeindebunds sowie der Gewerkschaft für Erziehung und Wohlfahrt  zeigt eine Angleichung der Betreuungsangebote an die Erfordernisse der Arbeitswelten verschiedene positive Effekte. So kann alleine die Ausweitung der Wochenarbeitszeit bei Frauen einen Teil des Fachkräftebedarfs decken. Von den Maßnahmen im Bundesprogramm „KitaPlus“, die die Aufnahme und Sicherung einer Erwerbstätigkeit gewährleisten, profitieren vorrangig (junge) Mütter. Hierzu verwies die Vertreterin der Bundesagentur für Arbeit auf die 70 000 Bedarfsgemeinschaften, in denen beide Elternteile sowie auf die etwa 210 000 Familien, in denen ein Elternteil aktuell arbeitslos waren.

Die Vertreterin der Stadt Koblenz sah in der Flexiblisierung von Betreuungsangebote einen weiteren Vorteil, der für Kommunen gravierend ist. In der Familiengründungsphase wählen junge Familien ihren Wohnsitz mit einer für sie hohen Lebensqualität, die sie vornehmlich am Ausmaß familienunterstützender Angebote messen.

Es ist daher eine wichtige Aufgabe für Kommunen, für Betreuungsangebote zu sorgen, die mit den Arbeitszeiten in den Betrieben in und um der Kommune korrespondieren. Daneben unterstützt die Stadt jegliche Bestrebungen von Unternehmen bei der Schaffung betriebseigener Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit Betriebskitas können Unternehmen nachweislich am schnellsten Arbeitskräftepotenziale mobilisieren.

Die Diskussion zeigte, dass die Kooperation dieser Partner vor einigen Herausforderungen zur Realisierung flexibler Kindertagesbetreuung steht. Folgende Fragen standen dabei im Fokus:

  • Wie kann die Qualität der besonderen Betreuungszeiten, z. B. durch Fachkräfte, gewährleisten werden?
  • Welche Ressourcen benötigen die Partner zur Umsetzung? Können Synergieeffekte aufgezeigt und aktiviert werden?
  • Inwiefern sind Entscheidungsträger einzubinden bzw. bereits eingebunden, die letztendlich die finanzielle Ausgestaltung der Angebote sichern?

Übersicht der Ergebnisse im Workshop 5

Impulse aus der Praxis

Es bestand für die Teilnehmenden der Konferenz die Möglichkeit, auf Stellwänden Impulse aus der Praxis und Anregungen zur Umsetzung des Bundesprogramms „Kita Plus“ zu setzen. Auf der Ebene der „Fachkraft“ zeigten die Notizen, dass zunächst für Erzieherinnen und Erzieher gute Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung in den erweiterten Öffnungszeiten zu gewährleisten. Benannt wurde auch die Bereitstellung ausreichenden Personals zur Gewährleistung einer angemessenen Fachkraft-Kind-Relation in diesen flexiblen Betreuungszeiten. Auf der „Ebene des Kindes“ wiesen die Teilnehmenden insbesondere auf die Wertschätzung der Kinder hin. Der Bedarf am (regionalen) Austausch im Programmverlauf wurde auf der Ebene des „fachlichen Austauschs“ deutlich. Die Teilnehmenden wünschen sich Trägerforen oder an die Gegebenheiten angepasste Formen der Beratung bspw. Minikonferenzen bzw. Tagungen. Auf der Ebene „Kindertagespflege“ erfolgten der Ruf nach einer finanziellen Gleichstellung der Kindertagespflege und Gewährleistung einer Rechtssicherheit für „Kinderfrauen“.

Fazit

Die Praxis sieht sich als Teil eines Wandlungsprozesses. Zum Zeitpunkt der ersten Trägerkonferenz bildeten Fragen zur praktischen Umsetzung und Weiterentwicklung der flexiblen Kindertagesbetreuung den Fokus. Die Konferenz bot allen Programm-Beteiligten eine erste Plattform zum gemeinsamen Austausch. Auf die offenen Fragen werden alle Programmbeteiligten im Laufe der Umsetzung des Bundesprogramms gemeinsame Antworten finden und praktikable Strategien entwickeln.

Zur weiteren Entwicklung des Bundesprogramms „KitaPlus“ sollten die folgenden Themen in den Blick genommen werden:

  • Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte
  • Ressourcen und Nachhaltigkeit, d.h. die Finanzierung und Aufrechterhaltung der Angebote nach 2018
  • gute Voraussetzungen für Erzieherinnen und Erziehern sowie Kindertagespflegepersonen
  • ausreichend Personal zur Umsetzung
  • Fachkraft-Kind-Relation
  • Implementierung von fachlichem Austausch
  • Gleichstellung von Kindertagespflegepersonen 
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