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Interview mit Claudia Fockenberg, Projektberaterin im Bundesprogramm „KitaPlus“

„Als Projektberaterin begleite ich wie ein externes Auge und Ohr“

Claudia FockenbergClaudia Fockenberg

Als Projektberaterin begleitet Claudia Fockenberg seit dem Frühjahr 2016 zehn Kitas und eine Tages-pflegeperson im Bundesprogramm „KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Im Interview gibt Frau Fockenberg einen Einblick in die Rolle der Projektberatung und den Beratungsprozess.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, als Projektberaterin das Bundesprogramm „KitaPlus“ zu unterstützen?

Das war für mich aus mehreren Gründen interessant. Erweiterte Öffnungszeiten sind mir ein persönliches Anliegen. Von 1990 bis 2000 habe ich in einem Hort gearbeitet, der Öffnungszeiten bis 19 Uhr angeboten hat. Dass erweiterte Öffnungszeiten jetzt institutionell und gerade auch vom Bund unterstützt werden, freut mich und ich finde es spannend, wie das Programm in der Praxis umgesetzt wird. Zudem bin ich seit vielen Jahren als Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen tätig und habe davor selbst einige Jahre Kindertageseinrichtungen geleitet. Meine Erfahrungen kann ich im Bundesprogramm gut einbringen und teilnehmende Kitas und Tagespflegepersonen bei der Programmumsetzung unterstützen.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Projektberaterin? Was sind Ihre Aufgaben?

Als Projektberaterin begleite ich die Einrichtungen sowie die Tagespflegeperson wie ein externes Auge und Ohr. Ich schaue, wie sie ihre Angebote umsetzen. Gemeinsam mit der Kita-Leitung bespreche ich, welche Fragestellungen es in der jeweiligen Einrichtung gibt. Woran wird gearbeitet und wo sind eventuell Fallstricke, die man zusammen in den Blick nehmen kann? Dabei geht es nicht darum, auf jede Frage eine Antwort zu wissen oder für jedes Problem eine Lösung parat zu haben, sondern vielmehr diese gemeinsam zu erarbeiten und beim Finden der Lösung zu unterstützen. Es geht um die konzeptionelle Begleitung.

Wie läuft der Beratungsprozess typischerweise ab?

In der Regel besuche ich jede Einrichtung bzw. Tagespflegeperson einmal pro Quartal. Insgesamt sind je Einrichtung und Tagespflegeperson acht Beratungen während der Programmlaufzeit vorgesehen, die auf bis zu 12 aufgestockt werden können. Natürlich können die Kita-Leitungen oder die Träger mich bei Bedarf auch außerhalb der vereinbarten Termine kontaktieren. Hauptsächlich bin ich mit der Kita-Leitung im Gespräch. Je nach Einsatz und Anliegen dauert das zwischen zwei und dreieinhalb Stunden vor Ort, dazu kommen Telefonate. Ich frage meist zuerst, wie der aktuelle Stand ist und welche Veränderungen es seit dem letzten Termin gegeben hat. Dann kommen wir zu den Themen, die für das jeweilige Treffen vereinbart wurden. Meist stehen diese bereits fest, manchmal kommen die Themen aber auch spontan im Beratungsgespräch auf. Worum geht es? Für die Planung und Entwicklung bedarfsgerechter Öffnungszeiten geht es häufig um die Ermittlung der Bedarfe, um die Haltung der pädagogischen Fachkräfte zu Veränderung gesellschaftlicher und familiärer Lebenssituationen. Es geht auch um die Vereinbarkeit von Angeboten der Kita und betrieblicher familienfreundlicher Haltung, insbesondere aber um das Kindeswohl, das Wohlbefinden und die Verlässlichkeit der Bezugsbegleitung der Kinder. Wie ist es z. B. in der Dienstplangestaltung möglich, die Betreuung der Kinder kontinuierlich von den gleichen pädagogischen Fachkräften zuzusichern? Wie ist eine Kontinuität der Peergroup in der Betreuung der bedarfsgerechten Öffnungszeit für die Kinder zu gestalten? Wie muss eine Beratung der Eltern stattfinden, damit diese mit einem guten Gefühl und Vertrauen ihre Kinder über die regulären Öffnungszeiten hinaus oder auch über Nacht durch die Kitas betreuen lassen? Wie muss die Betreuung und Begleitung der Kinder aussehen, damit sie der Familiensituation ähnlich gestaltet wird? Es geht auch darum, Raum für ausreichend oder sogar mehr qualitative Familienzeit gemeinsam mit den Eltern zu planen. Ich versuche dann, das Feld aufzumachen: Welche Überlegungen gibt es bereits zu den Themen? Welche Optionen? Welche Fallstricke müssen aus dem Weg geräumt werden und was muss abgeklärt werden? Ich stelle meinen Gesprächspartnerinnen und -partnern gezielte Fragen, die sie dabei unterstützen, Lösungen zu entwickeln.

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