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„Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Unternehmen ein Wettbewerbsfaktor“

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) unterstützt das Bundesprogramm „KitaPlus“. Im Interview erklärt Dr. Alexander Böhne, stellv. Abteilungsleiter Arbeitsmarkt/Betriebliche Personalpolitik bei der BDA, wie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen können.

Warum sind erweiterte Öffnungszeiten von Kitas, Horten oder Kindertagespflegestellen aus Sicht von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern wichtig?

Dr. Alexander Böhne: Erweiterte Öffnungszeiten sind für Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen wichtig. Wenn wir gemeinsam die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich voranbringen wollen, muss man bei der bedarfsdeckenden Bereitstellung von Kinderbetreuungsangeboten die Anpassung von Öffnungszeiten an die Bedürfnisse von Müttern und Vätern in der Arbeitswelt unbedingt mitdenken. Denn: Gäste bedienen, Busse steuern, Menschen pflegen – das alles sind berufliche Tätigkeiten, die mit den üblichen Öffnungszeiten von Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen in der Regel nicht kompatibel sind. Daher ist es für Eltern einfach hilfreich, auf eine Kinderbetreuung zurückgreifen zu können, die in den Öffnungszeiten deutlich flexibler ist. Nur so können gerade Alleinerziehende ihren Beruf auch ausüben und Arbeitgeber – öffentliche und private – verlieren keine der dringend benötigten Fachkräfte.

Welchen Beitrag können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber leisten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern? 

Dr. Alexander Böhne: Es liegt doch im ureigenen Interesse der Unternehmen, Beschäftigte mit Familienverantwortung zu gewinnen und zu binden. Und zusätzlich neue Potenziale zu erschließen: Dabei denke ich beispielsweise an Programme für Wiedereinsteigerinnen oder Ausbildungen in Teilzeit für Alleinerziehende. Entsprechend haben Unternehmen vielfach schon eine familienbewusste Personalpolitik, die ein „Gehetze“ zwischen Privat und Beruf möglichst vermeidet. Ganz wichtig sind dabei Modelle für eine flexible Arbeitszeit, z. B. Gleitzeit oder eine vollzeitnahe, die sogenannte große Teilzeit. Auch eine flexible Arbeitsorganisation, z. B. Home-Office oder mobiles Arbeiten per Smartphone trägt zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. Gerade junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Generation Y fordern vieles davon selbstbewusst ein. Und wenn wir über Arbeitgeberattraktivität, Employer Branding, Fachkräftesicherung, Wettbewerb um Talente usw. sprechen, sehen wir, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wesentlicher Bestandteil der Organisationskultur ist ein handfester Wettbewerbsfaktor.

Wie könnten Kooperationen zwischen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, im Unternehmen beschäftigten Eltern und regionalen Kinderbetreuungseinrichtungen im Kontext flexibler Arbeitszeiten und bedarfsgerechter Betreuungszeiten aussehen? 

Dr. Alexander Böhne: Die Art der Kooperationen unterscheidet sich natürlich von Region zu Region, je nachdem welche Betreuungssituation es vor Ort gibt. So handeln Unternehmen beispielsweise mit der Gemeinde passende Betreuungszeiten aus oder kaufen Belegplätze für ihre Beschäftigten. Auch die Betreuung in den Ferien ist vielfach sichergestellt. Einige Unternehmen errichten z. B. mit der öffentlichen Hand zusammen Kinderhorte und leisten so einen großartigen freiwilligen Beitrag bei dem Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur in der Region. 

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