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„Mehr Verlässlichkeit für Eltern und Kinder“

Foto: privatBeanka Ganser, Fachreferentin für Arbeitsmarktpolitik KitaPlus der Stadt Lünen

Beanka Ganser ist Fachreferentin für Arbeitsmarktpolitik KitaPlus der Stadt Lünen in Nordrhein-Westfalen. Im Interview schildert sie aus Sicht der Kommune die Umsetzung des Bundesprogramms „KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“. 

Warum sind erweiterte Öffnungszeiten von Kitas, Horten oder Kindertagespflegestellen für Ihre Kommune wichtig?

Bei einer Arbeitslosenquote von ca. 10 Prozent möchten wir in der Stadt Lünen nichts unversucht lassen, Menschen in Arbeit zu bringen Wir möchten Menschen in ihrer Berufstätigkeit unterstützen oder ihnen eine Ausbildung, den Berufseinstieg oder die Rückkehr in die Berufstätigkeit ermöglichen. Gleichzeitig möchten wir Eltern und Kindern Verlässlichkeit in der Betreuung bieten – unabhängig von ihrer Tätigkeit. Jede Arbeit hat ihren Wert. Und wer zum Beispiel in der Lage ist, aus Hartz IV auszusteigen und sich finanziell auf eigene Beine zu stellen, der verdient unsere ganz besondere Unterstützung. Wer kleine Kinder hat, soll die Kinder auch früh morgens oder abends gut versorgt wissen. Allerdings wünschen wir uns auch von Arbeitgebern Rücksichtnahme auf die familiäre Situation.

Für unsere Kommune ist das Bundesprogramm „KitaPlus“ ein Volltreffer. Wir haben festgestellt, dass die anfängliche Skepsis und Zurückhaltung der Eltern, ob das Angebot auch wirklich trägt, nun gewichen ist. Eltern wissen, dass sie sich auf unser Angebot verlassen können. Sie nehmen zum Beispiel eine Berufstätigkeit auf oder erhöhen ihre Arbeitszeit. Die Eltern trauen sich nun auch, offen über ihre Betreuungsnotwendigkeiten zu sprechen und lösen qualitativ schlechte Betreuungssettings auf. Auch sind die Zeiten des „schlechten Gewissens“ vorbei. Eltern können selbstverständlich ihre Dienstpläne abgeben und den Betreuungsbedarf für ihre Kinder darlegen. Das schönste Kompliment haben wir von einer jungen Alleinerziehenden erhalten, die nun eine Ausbildung im Gesundheitswesen aufnehmen kann: „Die Stadt rollt einen roten Teppich für mein Kind und mich aus.“ Das spornt uns an. Alles in allem ist mit dem Bundesprogramm „KitaPlus“ mehr Verlässlichkeit für Eltern in die Betreuung ihrer Kinder eingezogen.

Wie setzen Sie das Bundesprogramm „KitaPlus“ in Ihrer Kommune um und welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Von den insgesamt zehn städtischen Kindertageseinrichtungen nehmen sechs Kitas seit November 2016 an dem Bundesprogramm teil. Über die Bewilligung aller sechs Standorte haben wir uns sehr gefreut. Unser Ziel war es, in jedem Stadtteil eine Kita mit verlängerten Öffnungszeiten vorhalten zu können. Dies ist uns gelungen. An den sechs Standorten werden fünf Tage die Woche Öffnungszeiten von 6.00 bis 20.00 Uhr erprobt.

Die verlängerten Öffnungszeiten führten dabei nicht zu längeren Betreuungszeiten für die Kinder, darauf achten wir. Allerdings ermöglichen sie den Eltern eine verlässliche und bedarfsgerechte Betreuung ihrer Kinder. So müssen sich Eltern kein halbes Jahr im Voraus für eine Früh- oder Spätbetreuung entscheiden, sondern können die Betreuungszeiten entsprechend ihrer individuellen Dienstpläne etwa 14 Tage im Voraus mit der Kita abstimmen. Darin liegt der entscheidende Mehrwert des Bundesprogramms: Die vielfältigen Bedarfe und Arbeitszeiten der Eltern können flexibel aufgegriffen werden. 

Mit dem Bundesprogramm „KitaPlus“ konnten wir zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher sowie Hauswirtschaftskräfte einstellen. Durch die breite Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu Beginn des Programms konnten wir die zusätzlichen Stellen schnell besetzen. In der Personalplanung wurde darauf geachtet, dass keine Erzieherin und kein Erzieher mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen in den Schichtdienst einsteigen muss, um die erweiterten Öffnungszeiten abzudecken. 

Wie trägt Ihre Kommune zur nachhaltigen Umsetzung des Bundesprogramms „KitaPlus“ bei?

Bereits die Antragsstellung für das Bundesprogramm „KitaPlus“ wurde politisch befürwortet, um dem Bedarf von Eltern an Randzeitenbetreuung Rechnung zu tragen. Auch das Kita-Personal wurde frühzeitig in den Prozess eingebunden. Die Kita-Leitungen haben sich mit ihren Teams intensiv mit den Fragestellungen verlängerter Öffnungszeiten beschäftigt und die pädagogischen Fachkräfte waren von Anfang an offen für das Angebot, da sie tagtäglich dem erweiterten Betreuungsbedarf der Eltern begegneten. Gute Qualität und Kontinuität in der Betreuung mit erweiterten Öffnungszeiten ist uns dabei ebenso wichtig wie die Zufriedenheit der Erzieherinnen und Erzieher. Daher dokumentieren die Kita-Leitungen an den sechs Standorten kontinuierlich den Entwicklungsprozess, den die Einrichtungen im Bundesprogramm „KitaPlus“ durchlaufen. Gemeinsam zu lernen, macht für uns den Reiz des Bundesprogramms „KitaPlus“ aus.

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