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Erste Ergebnisse der Evaluation des Bundesprogramms „KitaPlus“

Kurzinterview mit dem Evaluationsteam

Mit der programmbegleitenden Evaluation des Bundesprogramms „KitaPlus“ wurden die Univation GmbH und das Institut für den Situationsansatz (ISTA) in der INA gGmbH beauftragt. Als Projektleiterinnen sind Susanne Giel (Univation GmbH) und Katrin Macha (ISTA) für die Steuerung und Konzeption der Evaluation zuständig. Ihre beiden Teams kooperieren eng verzahnt.

Die ersten Ergebnisse der Evaluation wurden nun in zwei Arbeitspapieren veröffentlicht. Im Interview geben Susanne Giel und Katrin Macha einen Überblick über die interessantesten Ergebnisse und das Vorgehen bei der Evaluation.

Foto: frischefotos c/o RAW Heiko MarquardtSusanne Giel, Univation GmbH
Foto: Institut für den Situationsansatz Katrin Macha, Institut für den Situationsansatz

Als Teil des Teams der Evaluation des Bundesprogramms „KitaPlus“ begleiten Sie das Programm. Welches Ziel wird mit der Evaluation verfolgt?

Susanne Giel: Im Bundesprogramm „KitaPlus“ werden Kindertageseinrichtungen, Horte und Tagespflegepersonen dabei unterstützt, ihre Öffnungszeiten zu erweitern. Denn das hilft Eltern, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Unser Auftrag und Ziel der Evaluation ist es, Antworten auf die Frage zu finden, wie dies gelingen kann. Wie müssen erweiterte Öffnungszeiten konzipiert und organisiert sein, damit sie bedarfsgerecht ausgestaltet sind und gleichzeitig die Kinder gut aufgehoben sind? Letztlich wollen wir die im Bundesprogramm gemachten Erfahrungen sichern und daraus Handlungsempfehlungen für die Fachpraxis ableiten. So wird die Evaluation auch dem Modellcharakter des Programms gerecht.

Sie haben jetzt zwei themenbezogene Arbeitspapiere veröffentlicht. Welchen Schwerpunkt haben diese jeweils und was sind die zentralen Ergebnisse?

Katrin Macha: Für das erste Arbeitspapier haben wir uns zunächst die fachlichen und gesellschaftspolitischen Grundlagen für die Ausgestaltung bedarfsgerechter Öffnungszeiten angeschaut. Wir haben eine breite Literaturrecherche unternommen und die fachliche Diskussion, aber auch Gesetzestexte und wissenschaftliche Arbeiten zum Thema in den Blick genommen. Es ging uns dabei insbesondere auch um die Perspektiven der Eltern, der Kinder und der pädagogischen Fachkräfte. Zentrale Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, dass erweiterte Betreuungszeiten breit gewünscht sind und auch benötigt werden. Das ergibt sich schon aus den Anforderungen vieler Jobs, beispielsweise bei der Feuerwehr, bei der Polizei oder im Krankenhaus. Mit der klassischen Regelbetreuung von 8 bis 16 Uhr lässt sich das nicht vereinbaren. Beschrieben haben wir außerdem aktuelle pädagogische Themen, die wir dann auf die bedarfsgerechten Öffnungszeiten übertragen haben.

Konkret: Kinder bilden sich die ganze Zeit und brauchen zu allen Zeiten eine entsprechende lernanregende Umgebung und pädagogische Fachkräfte, die diese Bildungsbewegungen unterstützen. Aufenthalt spät oder früh in der Kita oder bei der Tagespflegeperson darf keine „Aufbewahrung“ sein. Es braucht auch Partizipation, damit die Kinder diese Zeiten selbst gestalten können. Und es geht um die Einbettung in den Sozialraum und das Ernstnehmen der Lebenswirklichkeiten der Kinder. Insgesamt zeigen unsere Analysen, zum Beispiel die Auswertung der Gesetze: Die Grundlagen sind gegeben, um bereits jetzt die Öffnungszeiten bedarfsgerecht zu erweitern. Wir müssen gar nicht so viele und große Veränderungen in Gang setzen. Das ist ein sehr wichtiger Impuls. Susanne Giel: Im zweiten Arbeitspapier haben wir uns angeschaut, was die Modellprojekte im Bundesprogramm „KitaPlus“ vorhaben. Dazu haben wir die Interessensbekundungen der Projekte gesichtet und analysiert. Außerdem sind ergänzende Informationen, zum Beispiel von Websites der Kitas, mit in die Analyse eingeflossen. Auf Basis aller Daten haben wir Fragen beantwortet wie: Wer setzt „KitaPlus“ eigentlich um? Welche Veränderungen in den Öffnungszeiten haben die Projekte geplant und wie sollen diese umgesetzt werden? Wie wird die pädagogische Arbeit in den Teams gestaltet und wie verändert sich die Zusammenarbeit mit den Familien und die Kooperation mit anderen Akteuren?

Um das zentrale Ergebnis zu nennen: Uns ist eine große Vielfalt begegnet. Beginnend damit, dass alle denkbaren Formen von Trägern vertreten sind: freie, öffentliche, kleine, große, gewerbliche, konfessionelle oder Elterninitiativen. Bei der Kindertagespflege sind es sowohl selbstständige Tagespflegepersonen als auch Organisationen, die ein Konzept für mehrere Tagespflegepersonen entworfen haben. Auch die Ausgangsbedingungen sind sehr divers. Manche der Projekte haben schon vor Programmbeginn Öffnungszeiten angeboten, die über die üblichen Betreuungszeiten hinausgehen, andere bauen die Betreuungszeiten erst seit der Teilnahme am Bundesprogramm aus. In manchen Kitas und Kindertagespflegestellen sind große Veränderungen nötig, andere können schon durch kleine Anpassungen dem Bedarf entgegenkommen.

Wie gehen Sie bei der Evaluation methodisch vor?

Susanne Giel: Bislang haben wir vor allem Literaturrecherchen für das erste Arbeitspapier und mit der Analyse der Interessensbekundungen und ergänzenden Recherchen eine klassische Inhaltsanalyse für das zweite Arbeitspapier durchgeführt.

Spannend werden die weiteren Schritte: In 16 Fallstudien schauen wir uns die Umsetzung des Bundesprogramms „KitaPlus“ in den Modellprojekten vor Ort an. Damit haben wir bereits im Februar 2017 begonnen. Wir sprechen mit den Projektteams, den Tagespflegepersonen, den Fachkräften vor Ort in Kitas und Horten. Außerdem begleiten wir die Arbeit der Projekte jeweils über zwei Tage. Wir unterhalten uns dabei mit den Kindern, den Eltern und Kooperationspartnern. Mit den Ergebnissen der ersten Fallstudien besuchen wir die Projekte noch einmal, um sie den Fachkräften vorzustellen, sie mit ihnen zu diskutieren, zu ergänzen und zu aktualisieren. 

Eine weitere wichtige Informationsquelle sind die Projektberatenden. Mit ihnen haben wir vor kurzem Fokusgruppen durchgeführt. Nach Abschluss und Auswertung der Fallstudien werden wir Expertinnen und Experten zu unseren Ergebnissen interviewen. Bereits im Frühjahr 2018 werden wir mit allen Modellprojekten eine Online-Befragung durchführen.

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