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Verstetigungsmöglichkeiten frühzeitig mitgedacht

Außenbereich der Kita "Villa RegineAußenbereich der Kita "Villa Regine"

Die Kita „Villa Regine“ in Ahlen (Nordrhein-Westfalen) bietet Kinderbetreuung rund um die Uhr an. „Das heißt aber nicht, dass die Kinder länger als in anderen Einrichtungen betreut werden“, erklärt der Einrichtungsleiter Ludger Althoff im Interview. In der Kita werden Kinder betreut, deren Eltern einen Betreuungsbedarf zu besonderen Zeiten haben. Das kann wochentags vor 7 oder nach 17 Uhr bedeuten, oder auch am Wochenende, an Feiertagen oder über Nacht. Wenn in Ferienzeiten andere Betreuungseinrichtungen geschlossen haben, nimmt die Kita „Villa Regine“ auch Grundschulkinder auf. 

Nahtloser Übergang in die Zeit nach „KitaPlus“

Um das Konzept der erweiterten Betreuungszeiten erproben und in der Region zu etablieren zu können, hat die Kita „Villa Regine“ in den Jahren 2016 bis 2019 am Bundesprogramm „KitaPlus“ teilgenommen. Davon haben viele Familien in der Region profitiert. Damit diese Familien das Angebot der erweiterten Betreuungszeiten auch über die Programmlaufzeit von „KitaPlus“ hinaus nutzen können, hat sich die Kita „Villa Regine“ frühzeitig Gedanken über eine Verstetigung des Angebots gemacht. Diese Bemühungen haben sich ausgezahlt. Zur Vorbereitung auf die Zeit nach „KitaPlus“ hat die Einrichtung einen Finanzierungsplan erarbeitet. Damit konnte ein nahtloser Übergang hinsichtlich der Betreuungszeiten und -umfänge sichergestellt werden. Der hohe Bedarf an erweiterten Betreuungsangeboten in der Region ist - auch über die Programmlaufzeit hinaus – weiterhin gegeben. Das zeigt die Bedarfsermittlung, die die Kita gemeinsam mit dem örtlichen Jugendamt durchgeführt hat: „Die Bedarfsermittlung hat ergeben, dass wir für die erweiterten Betreuungszeiten Personalstellen in demselben Umfang benötigen, wie wir sie für „KitaPlus“ eingesetzt haben. Das heißt, wir konnten unser pädagogisches „KitaPlus“-Personal weiter beschäftigen, sodass die Betreuung genauso verlief wie vorher, während des Bundesprogramms.“ 

Die Verstetigungsstrategie der Kita „Villa Regine“ fußt auf zwei wesentlichen Pfeilern. Zum einen kooperiert die Einrichtung über den „Club familienfreundlicher Unternehmen“ mit Unternehmen in der Region. Zum anderen wird die Kinderbetreuung zu erweiterten Zeiten über Elternbeiträge finanziert. Das „Gesetz zur qualitativen Weiterentwicklung der frühen Bildung“ (NRW) kommt den Verstetigungsbemühungen der Kita „Villa Regine“ zukünftig zusätzlich zugute. Im August 2020 tritt das Gesetz in Kraft, welches auch auf die „zeitliche Erweiterung und Flexibilisierung des Betreuungsange-bots“ zielt. Dadurch wird die bedarfsorientierte Erweiterung von Betreuungszeiten finanziell auch durch das Land unterstützt. 

Club familienfreundlicher Unternehmen 

Bereits 2018 hat der Träger der Kita „Villa Regine“, der Caritasverband für das Dekanat Ahlen, den „Club familienfreundlicher Unternehmen“ ins Leben gerufen. Der Club soll dazu beitragen, Unternehmen in der Region Ahlen den Zugang zu erweiterten Betreuungsangeboten zu ermöglichen und die Kita „Villa Regine“ gleichzeitig auf finanziell stabile Beine zu stellen. Über den Club kooperiert die Kita mit unterschiedlichen Unternehmen, die betreuungsintensive Arbeitszeiten haben – in denen z. B. in (Nacht-)Schichten, am Wochenende oder an Feiertagen gearbeitet wird. Dazu gehören unter anderem ein Krankenhaus, die trägereigene mobile Altenpflege oder ein Chemieunternehmen. Die Kita „Villa Regine“ profitiert von den Kooperationen über den „Club familienfreundlicher Unternehmen“, weil die teilnehmenden Unternehmen die Umsetzung erweiterter Betreuungszeiten durch einen jährlichen Betrag von insgesamt ca. 4.000 Euro unterstützen. Die Unternehmen wiederum erhalten durch die Kooperation einen Prioritätenpunkt auf der Warteliste für die Kita-Plätze in der „Villa Regine“, von denen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Suche nach einem Betreuungsplatz profitieren können. Die Vergabe der Kitaplätze erfolgt in der Kita „Villa Regine“ über ein Punktesystem. Kita-Leitung Ludger Althoff erklärt: Alle, die 1.000 Meter um die Einrichtung herum wohnen, bekommen einen Punkt. Alle, die eine Ganztagsbetreuung, das heißt mindestens 45 Stunden pro Woche, benötigen, kriegen auch einen Punkt. Alle, die Betreuung vor 7 oder nach 17 Uhr, am Wochenende oder an Feiertagen benötigen, bekommen ebenfalls einen Punkt. So erhalten die Familien aus der Nähe der Einrichtung bis zu drei Punkte. Und jetzt kommt noch der Firmenpunkt oben drauf. Die Familien, die vier Punkte haben, erhalten ziemlich sicher einen Platz bei uns.“

Pauschalisierte Elternbeiträge 

Neben der finanziellen Unterstützung durch den „Club familienfreundlicher Unternehmen“, setzt die Kita „Villa Regine“ für das Angebot der erweiterten Betreuungszeiten auf pauschalisierte Elternbeiträge. Alle Familien, die das Angebot der erweiterten Betreuungszeiten in Anspruch nehmen, zahlen zunächst einen pauschalen Beitrag von 20 Euro im Monat. Dieser ist unabhängig vom Umfang, in dem die erweiterte Betreuung letztendlich in Anspruch genommen wird. Ludger Althoff erörtert: „Darin inkludiert sind zehn Betreuungsstunden im Monat und für jede weitere Stunden zahlen die Familien weitere zwei Euro.“ Weiter beschreibt er: „Ganz viele Eltern kommen mit den 20 Euro Elternbeitrag zurecht. Oft geht es nur um eine halbe Stunde Betreuung am Tag oder zwei bis drei Stunden in der Woche außerhalb der regulären Betreuungszeiten.“ In welchem Umfang die erweiterten Betreuungszeiten von den Familien im Monat in Anspruch genommen werden, wird in der Kita „Villa Regine“ durch ein Zeiterfassungssystem dokumentiert. 

Um das Modell der erweiterten Betreuungszeiten auch nach dem Ende des Bundesprogramms „KitaPlus“ anbieten zu können, hat die Kita „Villa Regine“ außerdem auf die langjährige Zusammenarbeit mit dem Jugendamt zurückgegriffen. So wurde das örtliche Jugendamt eingebunden, um neue Verfahrensweisen für die Zeit nach „KitaPlus“ zu entwickeln. Ludger Althoff beschreibt im Interview: „Das ist ein Konstrukt, das sich über 26 Jahre entwickelt hat. Dadurch war die Beziehung zum örtlichen Jugendamt schon sehr intensiv.“ 

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